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Liebe Hinhörer

Stefan Zweig hatte sich 1942 in einer Zeit der Dunkelheit das Leben genommen, ohne zu ahnen, dass die Nacht schon bald vorbei sein sollte. Natürlich sind drei Jahre Krieg und Terror eine lange Zeit. Und bist du ein Teil dieser Zeit, dann weißt du nicht, ob es noch ein Jahr, zehn oder 100 Jahre so bleibt. Dann gilt es zum Horizont zu blicken, sich die aufgehende Sonne vorzustellen und ein Teil der Morgenröte zu werden. Wir müssen immer daran denken, wie wertvoll wir sind und dass wir nicht allein sind.

Stand jetzt 17. Mai 2022 scheint es gerade nicht so düster auszusehen. Der erste Anlauf, die Impfpflicht für über 50 oder 60 oder was auch immer jährige durchzusetzen, ist vorläufig gescheitert. Die Bevölkerung bekommt wieder etwas Auslauf und darf viel mehr als sie im letzten Winter, ja sogar im letzten Sommer durfte. Die Montagsspaziergänge schrumpfen, man geht wieder undiskriminiert in Restaurants, hüpft maskenfrei in Badeseen und genießt das Leben. Jetzt und hier! Über den Krieg in der Ukraine, der sich auf den Rest von Europa ausweiten könnte, über die Inflation und den drohenden Systemzusammenbruch will ich an dieser Stelle nicht reden. Ich meine wirklich nur das, was man sieht, wenn man spazieren geht oder aus dem Fenster schaut.

Worum geht es also jetzt bei Radio Berliner Morgenröte? Vorwiegend um das, worauf wir Einfluss haben. Die Großkonzerne und die Staaten machen ihr Ding und schleifen jeden der nicht für sich einsteht gnadenlos auf ihrem Kurs mit.

Die Konzerne und Politiker werden wir nicht ändern können. Auch nicht die, die sich gerne von ihnen mit schleifen lassen möchten. Also machen wir unser Ding. Wir vernetzen uns und bilden Parallelstrukturen. Dieses Thema zieht sich durch unser ganzes Radioprogramm und findet unter der Rubrik Parallelwelten besondere Beachtung.

Da komme ich zu einem Aspekt, der in unserem Programm unter der Rubrik „Mutmacher“ Beachtung findet. Der Umgang mit mir selbst. Selbstreflektion und Selbstermutigung. Früher waren das mal ganz nette Mittel um ein besseres Leben zu haben. Heute weiß ich, dass das lebenswichtig sein kann. Jeder von uns kann konkret etwas für die Welt tun indem er seine seelische und mentale Kraft trainiert und achtsam mit sich umgeht. Tut er das kann er auch mit seinen Mitmenschen achtsam sein und sie durch sein Vorbild ermutigen.

Habe ich gut für mich gesorgt dann gehe ich mit den anderen in Verbindung und sorge für Zusammenhalt. Da haben wir noch viel zu lernen. Ohne vernünftige Kommunikation wird das nichts mit den Parallelstrukturen. Wenn jeder sein Ding macht oder wenn wir sofort aufgeben, sobald unsere Mitstreiter nicht so wollen wie wir, reihen wir uns schutzlos in den Tross der staatlich dressierten Mitläufer ein. Wir brauchen uns gegenseitig. Gespritzt oder ungespritzt. Der Ukraine Krieg und alle weiteren Großereignisse werden ja immer wieder neue Spaltungen schaffen. Also gilt es achtsam zu sein, die Spaltungsstrategien zu durchschauen und wo es noch möglich ist, auf unsere Mitmenschen zuzugehen. Das ist alles andere als einfach. Ist Spaltung doch ein beliebtes Mittel zur Identitätsfindung: „Ich bin der, der ich bin, weil ich nicht so bin wie die!“

Wir können uns nicht ständig neue Verbündete suchen, weil wir nicht bereit sind unsere eigenen Anteile an Konflikten zu betrachten. In der Berliner Bewegung hat es einiges an Spaltungen und gegenseitigen Anfeindungen gegeben und viele haben ihr eigenes Ding gemacht. Ausgerechnet in der Stadt, in der Polizei und Behörden besonders massiv gegen Demonstrationen vorgegangen sind. Richtig groß wurden Demos erst, wenn sie von Außen organisiert wurden. Trotzdem sind viele Berliner Gruppierungen inzwischen reifer geworden und haben im Sinne der Sache wieder zueinander gefunden. Ich persönlich bin inzwischen hoffnungslos verliebt in diese Coronakritischen Bewegungen die sich hier pausenlos für unsere Freiheit und unsere Rechte einsetzen. Sei es Querdenken 30, Berlin steht auf, die freie Linke, die Kommunarden, die Auto Korsos, nicht ohne uns oder die Leute von der Basis Partei. Wir sind inzwischen eine große Familie. Ich sage wir, weil RBM auch dazu gehört. RBM ist tatsächlich kein neutraler Berichterstatter, sondern ein Teil der Veränderung. Das ändert aber nichts daran, das wir auch Menschen die nicht unserer Meinung sind eine Stimme geben. Sehr gerne sogar. Denn wir können lernen es auszuhalten uns zuzuhören.

Fazit: Verbundenheit zur Friedens und Freiheitsbewegung + zusammen halten und Parallelstrukturen aufbauen + Kopf oben behalten und das Schicksal in die eigene Hand nehmen + sich gegenseitig zuhören und Brücken bauen um Spaltung zu überwinden + heilsamer Humor und Satire = Radio Berliner Morgenröte!

Viel Spaß beim Hinhören

Oliver Schindler