Tamera – Die Evolution sucht nach einer Gemeinschaft, die nicht mehr auseinanderbricht

Die Menschheit experimentiert seit Generationen mit neuen Formen des Zusammenlebens. Überall entstehen Gemeinschaften, getragen von der Hoffnung auf Frieden und ein besseres Miteinander. Menschen entwickeln Ideen, finden sich zusammen, bauen etwas auf – und irgendwann fliegt ihnen alles wieder um die Ohren.

Eine dieser Gemeinschaften ist Tamera in Portugal. Auf 160 Hektar Land wird hier seit 1995 an einer Vision gearbeitet, deren Wurzeln bis in die 68er-Bewegung zurückreichen. Frieden soll nicht nur zwischen Staaten ausgehandelt werden, sondern dort entstehen, wo Menschen miteinander leben. In ihren Beziehungen, ihren Ängsten und den altbekannten Mechanismen, mit denen sie sich gegenseitig das Leben schwer machen.

Darüber spreche ich mit Monika, die seit vielen Jahren in Tamera lebt. Unser Gespräch bewegt sich zwischen großen gesellschaftlichen Fragen und sehr persönlichen Erfahrungen. Da geht es um Eifersucht, Treue, sexuelle Freiheit und die Frage, wie viel Ehrlichkeit eine Liebesbeziehung verträgt. Oder besser: Wie viel Unehrlichkeit verträgt sie auf Dauer?

Denn die Konflikte, an denen zwei Menschen scheitern, sind nicht anders als jene, die ganze Gemeinschaften auseinanderreißen. In Tamera wurde deshalb das sogenannte Forum entwickelt, in dem Menschen ihre Gefühle und Konflikte vor der Gemeinschaft sichtbar machen können. Die anderen werden dabei zu einem Spiegel, der hilft, eigene Verhaltensmuster zu erkennen, sich selbst und andere besser zu verstehen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

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Auch Tamera ist an Grenzen gestoßen. Trotz jahrzehntelanger Friedensforschung kam es zu einer tiefen Spaltung, durch die viele Menschen die Gemeinschaft verließen. Monika spricht offen darüber, wie sich ungelöste Konflikte, fehlende Orientierung und politische Auseinandersetzungen ineinander verstrickten.

Doch Tamera bleibt ein Ort voller Möglichkeiten. Die Gemeinschaft möchte wieder neue Menschen gewinnen, besonders junge Erwachsene, die Lust haben, an einer anderen Kultur des Zusammenlebens mitzuwirken. Hier geht es nicht nur um schöne Ideale, sondern darum, sie im Alltag zu leben – mit allem, was das an Freude, Herausforderungen und persönlicher Entwicklung mit sich bringt.

Und Tamera steht nicht allein. Weltweit sammeln Gemeinschaften Erfahrungen, entwickeln Lösungen, geraten in Konflikte, scheitern und beginnen von Neuem. Sie tauschen sich aus und lernen voneinander. So entsteht ein gemeinsamer Entwicklungsprozess, der weit über das Schicksal einzelner Projekte hinausreicht. Auch dort, wo eine Gemeinschaft auseinanderbricht, können Erkenntnisse entstehen, die anderswo weiterwirken.

Am Ende unseres Gesprächs bringt Monika diesen Gedanken auf den Punkt:

„Wo gibt es die erste Gemeinschaft, die nicht mehr auseinanderbricht?“

Die Suche geht weiter. Und jeder kann daran mitwirken: in Tamera, in anderen Gemeinschaften oder mitten im eigenen Alltag. Überall dort, wo Menschen lernen, Konflikte auszutragen, ohne einander zu Feinden zu machen, wächst etwas von dem, woran diese Projekte seit Generationen arbeiten.

Weitere Informationen zu Tamera:

https://www.tamera.org

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