Macht Putin Krieg mit angezogener Handbremse? – Wolfgang Effenberger und das große geopolitische Puzzle

Wladimir Putin gilt im Westen wahlweise als Alleinherrscher, Stratege oder unberechenbarer Kriegstreiber. Wolfgang Effenberger zeichnet ein anderes, wesentlich komplizierteres Bild: Was, wenn der russische Präsident keineswegs frei schalten und walten kann? Was, wenn er zwischen Militärs, Geheimdiensten, Oligarchen, westlich orientierten Netzwerken und den Erwartungen der eigenen Bevölkerung einen Balanceakt vollführt, bei dem ein einziger falscher Schritt verheerende Folgen haben könnte?
Effenberger glaubt, dass Putin den Krieg in der Ukraine mit „angezogener Handbremse“ führt. Nicht aus militärischer Schwäche, sondern weil er einen großen Teil der ukrainischen Bevölkerung weiterhin als eng mit Russland verbunden betrachtet und möglichst wenige Opfer verursachen will. Effenberger kennzeichnet diese Sichtweise ausdrücklich als seine persönliche Einschätzung. Beweisen könne er sie nicht.
Doch gerade hier wird es spannend: Vielleicht ist Putin in diesem Krieg nicht der gefährlichste denkbare russische Präsident. Was geschieht, wenn der Druck im Land weiter wächst und irgendwann ein Nachfolger die Handbremse löst?
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Um Putins Lage zu erklären, greift Wolfgang Effenberger tief in die Geschichtskiste. Sehr tief. Seine Spur beginnt beim amerikanischen Bürgerkrieg, führt über den Aufstieg mächtiger Finanz- und Wirtschaftsnetzwerke und landet schließlich im Russland der Jelzin-Ära. Dort sieht Effenberger einen erheblichen amerikanischen Einfluss, dessen politische und wirtschaftliche Folgen bis in die Gegenwart reichen.
Daraus entsteht ein großes geopolitisches Puzzle: Wer verfolgt welche Interessen? Welche Kräfte wirken innerhalb Russlands? Wurde Putin vor dem Einmarsch in die Ukraine möglicherweise falsch informiert? Und weshalb begann Russland einen Krieg mit einer Truppenstärke, die nach Effenbergers militärischer Einschätzung für eine Eroberung der gesamten Ukraine niemals ausreichen konnte?
Wolfgang Effenberger war selbst zwölf Jahre Offizier der Bundeswehr und beschäftigte sich als junger Hauptmann mit militärischen Planungen für den Ernstfall. Heute versteht er sich als „Chronist der Zeit“. Er trägt Quellen zusammen, verfolgt historische Linien und versucht, hinter den offiziellen Erzählungen Strukturen zu erkennen.
Dabei liefert er keine bequeme Gebrauchsanweisung für die Wahrheit. Manche Zusammenhänge hält er für belegt, andere für wahrscheinlich – und an entscheidenden Stellen sagt er offen: Ich weiß es nicht. Gemeinsam setzen wir Puzzleteile zusammen, widersprechen einander und folgen Gedanken, die ein völlig anderes Licht auf den Ukrainekrieg und die gefährliche Konfrontation zwischen dem Westen und Russland werfen.
Am Ende bleibt eine beunruhigende Frage: Wie lange hält die Handbremse noch?
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