Journalistin Antonulas – Gefährliches Schweden? Ein Vergleich mit Deutschland

Wenn man manchen Medienberichten über schwedische Großstädte glaubt, müsste Malmö inzwischen ungefähr dort liegen, wo man in anderen Ländern Bürgerkriegsgebiete verortet. Man erwartet brennende Straßenzüge, maskierte Banden und Bundeswehr-Spezialeinheiten, die festsitzende deutsche Touristen unter Beschuss aus der Gefahrenzone evakuieren. Die Realität vor Ort fällt eher unspektakulär aus: Malmö wirkt vielerorts sauberer, ruhiger und ziviler als Berlin — was zugegebenermaßen inzwischen keine olympische Disziplin mehr ist.

Wozu also die permanente Alarmstimmung?
Nun, eine verunsicherte Bevölkerung lässt sich bekanntlich leichter verwalten. Wer glaubt, jederzeit vom gesellschaftlichen Zusammenbruch bedroht zu sein, empfindet Kameras, Überwachung und Kontrollmaßnahmen irgendwann nicht mehr als Eingriff, sondern als fürsorgliche Begleitung durch den Alltag. Schweden scheint diesen Weg inzwischen ebenfalls recht ambitioniert zu beschreiten. Vielleicht müssen sich moderne Gesellschaften heute eben entscheiden, ob sie lieber frei oder lückenlos beobachtet sein möchten.
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Die Journalistin Sophia-Maria Antonulas hat früher für die Wochenzeitung „Demokratischer Widerstand“ geschrieben und lebt heute in Schweden. Ihren Umzug bereut sie nicht. Durch ihre regelmäßigen Aufenthalte in Berlin ergibt sich ein Vergleich zwischen zwei europäischen Gesellschaften, die ähnliche Probleme haben, aber offenbar sehr unterschiedlich mit ihnen umgehen.
Im Gespräch geht es deshalb nicht nur um Sicherheitsfragen, sondern vor allem um etwas, das in Deutschland inzwischen beinahe verdächtig wirkt: ein halbwegs normales Verhältnis zur eigenen kulturellen Identität. Wie sichtbar darf regionale Kultur noch sein? Wie selbstverständlich darf ein Land sich selbst mögen, ohne sofort unter Nationalismusverdacht zu geraten? Und warum wirkt in Deutschland inzwischen schon der Anblick einer Landesflagge auf manche Milieus ungefähr so beruhigend wie ein Zimmerbrand?
Die Schweden erscheinen in dieser Hinsicht oft deutlich entspannter. Nationale Symbolik existiert dort noch erstaunlich selbstverständlich, ohne dass gleich ganze Feuilleton-Abteilungen Schnappatmung bekommen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Selbstbewusstsein ersetzt keinen Widerstandsgeist. Beim Thema ziviler Ungehorsam könnten die Schweden vermutlich noch einiges von den Franzosen lernen — und mit etwas historischem Ehrgeiz vielleicht sogar von den Deutschen früherer Jahrzehnte.
Vielleicht erinnert man sich irgendwann auch im hohen Norden wieder stärker daran, dass die eigenen Vorfahren einst mit Segeln statt mit Haltungsschäden unterwegs waren.
Nachdem wir im Gespräch mit Michael Ballweg bereits deutsche Infrastruktur mit der eines kleinen mittelamerikanischen Staates verglichen haben, richtet sich der Blick diesmal nach Schweden. „Nicht aus Selbsthass, sondern aus schlichter Neugier darauf, warum andere Länder manche Dinge offenbar noch bewahren können, die man in Deutschland lieber erst dekonstruiert, problematisiert und anschließend mit einem Diversitätskonzept überschreibt.“
Viel Spaß beim Zuhören — und wie immer gilt: Der Sinn solcher Vergleiche besteht nicht darin, sich gegenseitig zu zerfleischen, sondern herauszufinden, warum manche Gesellschaften sich selbst noch ernst nehmen, während andere vor allem damit beschäftigt sind, sich selbst umzuerziehen.
Transition News Zeitungsartikel über Sicherheitslage in Malmö
