Folge 2 – Wie funktioniert radikale Steuervereinfachung?
Steuern vereinfachen – das klingt zunächst nach ein paar Formularen weniger, verständlicheren Paragraphen und einer Steuererklärung, bei der man vielleicht nicht schon beim Öffnen der ersten Anlage die Lebensfreude verliert.
Ilse (YouTube: Ilse – das liebe Geld) denkt deutlich radikaler.
In dieser Folge unserer Reihe geht es erstmals ganz konkret darum, wie eine radikale Steuervereinfachung aussehen könnte: Sämtliche bisherigen Steuerarten würden abgeschafft und durch eine einzige Abgabe ersetzt. Nicht Arbeit, Einkommen, Gewinn oder bestimmte Waren würden besteuert, sondern ausschließlich die Bewegung von Geld.
Ilse nennt das eine „Minimaut“. Bei elektronischen Zahlungen würde die Abgabe automatisch erhoben – ohne Steuererklärung und ohne dass dafür erfasst werden müsste, was jemand gekauft hat.
Und dann kommt eine Frage, die wahrscheinlich nicht nur mir sofort durch den Kopf schießt: Bedeutet das am Ende die Abschaffung des Bargeldes?
Erstaunlicherweise genau das Gegenteil. In Ilses Modell soll Bargeld ausdrücklich erhalten bleiben und von der Geldbewegungsabgabe ausgenommen sein. Damit bliebe ein Bereich bestehen, in dem Menschen weiterhin unmittelbar und ohne elektronische Erfassung miteinander handeln können.
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Spannend wird es dort, wo wir über die Folgen eines solchen Systems nachdenken. Denn wenn nicht mehr möglichst raffinierte Steuerregeln darüber entscheiden, was sich wirtschaftlich lohnt, sondern jede elektronische Geldbewegung mit einer kleinen Abgabe verbunden ist, könnten ganz andere Anreize entstehen.
Ilse sieht darin beispielsweise Chancen für Genossenschaften und andere gemeinschaftliche Wirtschaftsformen. Und auch Unternehmen, die heute mit komplizierten Steuerregeln, Schlupflöchern und unterschiedlichen Abgaben konfrontiert sind, würden unter völlig anderen Bedingungen kalkulieren.
Selbst für die Finanzbeamten hat Ilse schon eine neue Aufgabe im Sinn. Wo es keine Steuererklärungen mehr gibt, könnte ihre Kompetenz künftig den Bürgern zugutekommen: durch Vermittlung von Finanzwissen und Unterstützung beim verantwortlichen Umgang mit Geld.
Das alles ist ausdrücklich kein fertig durchgerechnetes Modell. Wie hoch eine Geldbewegungsabgabe sein müsste und welche Folgen sie tatsächlich hätte, müsste nach Ilses Auffassung erst gründlich untersucht werden. Die im Gespräch verwendeten zehn Prozent dienen lediglich dazu, das Prinzip anschaulich durchzuspielen.
Vielleicht ist aber gerade das der interessanteste Teil dieser Reihe: Wir präsentieren keinen fertigen Masterplan, sondern versuchen gemeinsam, gewohnte Denkmuster einmal zu verlassen.
Denn für Ilse führt die radikale Steuervereinfachung am Ende zu einer noch größeren Frage: Wie müsste ein Staat aussehen, der dem Menschen dient – und welches Menschenbild stellen wir eigentlich ins Zentrum unseres Wirtschaftens?
Besucht Ilse auch gerne in ihrem Gedankentheater und macht euch selbst eine Vorstellung: Vorhang auf!
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